Ferðafólk
Haithabu – Handelsmetropole zwischen Nord- und Ostsee
Eisen, Buntmetall und die Arbeit am Feuer
Metallarbeit hinterließ in Haithabu Werkzeuge, Produkte und Rückstände. Diese drei Gruppen erschließen unterschiedliche Teile einer Tätigkeit.
Ein Werkzeug zeigt eine mögliche Bearbeitung, ein fertiges Stück deren Ergebnis, eine Schlacke einen Vorgang am Feuer. Erst ihr Zusammenhang erlaubt die nähere Bestimmung eines Arbeitsorts.
Nicht jedes Eisenstück stammt aus einer Schmiede, und nicht jede hitzeveränderte Ablagerung ist ohne Untersuchung einer bestimmten Produktion zuzuweisen.
Der Hafen macht besonders deutlich, wie Handwerk und Handel ineinandergriffen. Dort wurden Eisenbarren, zahlreiche Verbindungsteile und Schlacken gefunden.
Ein Teil des Materials konnte als Ware transportiert worden sein, ein anderer mit Reparaturen zusammenhängen. Die Konstruktion von Schiffen und Landebrücken verlangte ihrerseits bearbeitetes Metall.
Der Hafen war deshalb mehr als der Ort, an dem fertige Gegenstände nur ausgetauscht wurden.
Rohstoff in transportierbarer Form
Im ausgewerteten Hafenbestand liegen sechzehn Eisenbarren vor, darunter vollständige Stücke und Fragmente. Unterschiedliche Formen wurden typologisch eingeordnet und mit skandinavischen Beständen verglichen.
Eine solche Form erleichtert die Beschreibung und kann Beziehungen erschließen. Sie ist keine chemisch gesicherte Herkunftsangabe für jeden Barren. Rohstoff konnte mehrere Handelsstationen durchlaufen.
Ein Barren war für die weitere Verarbeitung bestimmt. Seine Form erlaubte, Eisen als bearbeitbares Material zu bewegen, statt es nur als fertiges Werkzeug zu beschaffen. Im Hafen fanden sich außerdem große Laufgewichte.
Ihre Verwendung passt zum Wiegen größerer Mengen von Rohstoffen oder Nahrung. Eine Verbindung mit dem Eisenhandel ist möglich, beweist aber keine erhaltene Geschäftsabrechnung eines bestimmten Barrenfunds.
Die Menge der gefundenen Barren beschreibt zudem nicht die Gesamtmenge des Handels. Gelungene Transporte hinterließen normalerweise keinen vollständigen Vorrat im Sediment.
Verluste, Bruch und Entsorgung erzeugen andere Fundchancen als regelmäßige erfolgreiche Lieferung. Ein kleiner Fundbestand kann deshalb zu einer bedeutenden Tätigkeit gehören, ohne deren jährlichen Umfang berechenbar zu machen.
Nägel, Niete und die Verbindung von Bauteilen
Nägel, Bolzen und Niete begegnen in großer Zahl. Ihre Verwendung war nicht auf eine einzige Arbeit begrenzt. Holzbauteile mussten verbunden, Schiffe gebaut und beschädigte Konstruktionen repariert werden.
Ein Niet kann zu einer Schiffskonstruktion gehören; sein Zusammenhang muss aber geprüft werden. Die bloße Nähe zum Wasser genügt nicht in jedem Fall für eine eindeutige Zuweisung.
Schiffbau verband mehrere Fähigkeiten. Holz musste ausgewählt, zugerichtet und so zusammengefügt werden, dass die Konstruktion ihre Aufgaben erfüllen konnte. Metallteile mussten dazu in geeigneter Form vorliegen.
Auch das Abdichten und spätere Ausbessern beanspruchte Material und Kenntnisse. Damit berührte die Arbeit eines Schiffbauers Tätigkeiten, die auch Textilien, Teer und Holzverarbeitung einschlossen.
Die erhaltenen Verbindungsteile erlauben, diesen Arbeitszusammenhang anschaulich zu machen. Eine Rekonstruktion kann zeigen, wie ein Niet Planken zusammenhält oder wie ein Nagel einen Bauteil sichert.
Die konkreten Abläufe an einem bestimmten Tag sind damit nicht überliefert. Dennoch wird verständlich, warum ein funktionierender Hafen regelmäßig nicht nur Kaufleute, sondern auch Material und handwerkliche Arbeit brauchte.
Werkstätten im Boden
Neuere Untersuchungen im Siedlungsbereich erschlossen einen Ausschnitt mit Handwerksbefunden.
In einem verbrannten Grubenhaus blieben zahlreiche Gegenstände zurück, darunter eine Ansammlung von Werkzeugen, die mit einem eisenbeschlagenen Behälter verbunden wird. Solche Fundlagen sind besonders wertvoll.
Sie zeigen Gegenstände in einem engeren Zusammenhang, als dies bei weit verstreuten Einzelfunden möglich ist.
Ein Brand konnte Material am Ort zurücklassen, das bei geordneter Aufgabe mitgenommen worden wäre. Daraus folgt aber keine sichere Erzählung über die letzten Minuten der Bewohner.
Die Erklärung, warum bestimmte Stücke blieben, muss zwischen plötzlichem Verlust, eingeschränkter Bergung und späteren Veränderungen unterscheiden. Der archäologische Befund bewahrt einen Ausschnitt, kein Augenzeugenprotokoll.
Geoarchäologische Untersuchungen liefern ergänzende Hinweise auf Arbeitsrückstände. Schlacken und hitzeveränderte Bestandteile können in Ablagerungen auftreten, die später umgelagert wurden.
Dann zeigen sie metallurgische oder andere hitzeintensive Tätigkeiten, ohne den ursprünglichen Ofenplatz genau zu markieren. Ein Werkstattplan verlangt daher mehr als eine einzelne auffällige Bodenprobe.
Feine Formen aus Kupferlegierungen
Neben Eisen wurde Buntmetall bearbeitet. Kupferlegierungen eignen sich für andere Produkte und Bearbeitungen als ein Eisenbarren. Der Pressmodelsatz aus dem Hafen macht einen Teil der Feinschmiedearbeit besonders greifbar.
Die scharf ausgearbeiteten Formen dienten der Herstellung von Schmuck aus dünnem Blech. Wiederholung war dabei ein wesentlicher Vorteil des Werkzeugs.
Das zugehörige Zieheisen erschließt außerdem die Herstellung von Draht. Unterschiedliche Bearbeitungen konnten also innerhalb desselben Werkzeugsatzes zusammentreffen.
Dünne Bleiplatten aus der Nähe des Funds bewahrten Abdrücke; an einer Platte wurden auch Textil- und andere Strukturabdrücke festgestellt.
Solche Spuren führen unmittelbar an die Oberfläche der bearbeiteten Materialien, ohne dass der Name des Feinschmieds bekannt wäre.
Der Zusammenhang wurde als vergangener Beutel mit Werkzeugen gedeutet. Diese Erklärung ist plausibel, bleibt aber von einem vollständig erhaltenen Lederbehälter zu unterscheiden.
Ebenso kennt man nicht sämtliche Aufträge, für die die Model benutzt wurden.
Die Vorstellung einer umfangreichen Schmuckproduktion ist besser begründet als die Behauptung, der Werkzeugbesitzer habe einen bestimmten namentlich bekannten Herrscher beliefert.
Wiederverwendung und Erfahrung
Metall konnte umgearbeitet werden. Ein beschädigtes Stück enthielt weiterhin Material, das bei entsprechender Bearbeitung erneut nutzbar war.
Für die Archäologie bedeutet das, dass nicht jede vergangene Produktion ihr vollständiges Endprodukt hinterließ. Einschmelzen und Umformen können ältere Gegenstände aus dem sichtbaren Bestand entfernen.
Produktionsreste sind daher oft ebenso wichtig wie fertige Schmuckstücke oder Werkzeuge.
Eine anschauliche Rekonstruktion muss die verschiedenen Stoffe auseinanderhalten. Eisenarbeit, der Guss einer Kupferlegierung und die Herstellung von Pressblech sind keine identischen Vorgänge an einem beliebig austauschbaren Feuer.
Unterschiedliche Geräte und Bearbeitungen waren nötig. Das Können lag auch darin, Materialzustände zu erkennen und den passenden Arbeitsschritt auszuwählen.
Aus diesen Befunden entsteht eine Stadt, in der Metall durch viele Hände ging. Ein Barren konnte anlanden, ein Niet eine Planke verbinden und ein Model zahlreiche Schmuckformen ermöglichen.
Handel lieferte Rohstoffe und verkaufte Erzeugnisse; Reparaturen hielten Gebäude, Geräte und Schiffe benutzbar. Der Umfang dieser Tätigkeiten ist nicht für jedes Jahrzehnt bekannt, ihre Vielfalt ist jedoch materiell nachweisbar.