Ferðafólk
Auf den Spuren der Rus und Waräger
Handel zwischen den Welten
Silbermünzen aus dem islamischen Kalifat, Seide aus Byzanz, Bernstein von der Ostsee und kostbare Pelze aus den Wäldern Osteuropas.
Im 9. und 10. Jahrhundert gelangten Waren über Entfernungen von mehreren Tausend Kilometern von einem Ende der bekannten Welt zum anderen.
Mitten in diesem weitreichenden Handelsnetz bewegten sich die Rus.
Ihre Handelswege verbanden Skandinavien und den Ostseeraum mit den großen Flusssystemen Osteuropas, dem Byzantinischen Reich und den Märkten der islamischen Welt.
Doch dieser Handel war weit mehr als der Austausch von Waren.
Er brachte Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammen, förderte die Entstehung bedeutender Siedlungen und schuf die wirtschaftlichen Grundlagen politischer Herrschaft.
Gleichzeitig war er von Gefahren, bewaffneten Auseinandersetzungen und dem Handel mit versklavten Menschen geprägt.
Die Geschichte der Rus lässt sich ohne diese Handelsverbindungen nicht verstehen.
Ein Handelsnetz über gewaltige Entfernungen
Die geographische Lage Osteuropas machte es möglich, verschiedene Wirtschaftsregionen miteinander zu verbinden.
Im Norden lagen die Ostsee und die skandinavischen Handelsplätze.
Weiter östlich und südlich erstreckten sich riesige Waldlandschaften, Flüsse und Seen.
Über die Wolga führte ein Weg zum Kaspischen Meer und damit in die Handelsräume der islamischen Welt.
Der Dnepr verband die nördlichen Regionen mit dem Schwarzen Meer und Konstantinopel.
Diese Verbindungen waren allerdings keine durchgehend schiffbaren Wasserstraßen.
Zwischen einzelnen Flusssystemen mussten Boote und Waren über Land transportiert werden. Stromschnellen, wechselnde Wasserstände und politische Grenzen erschwerten die Reisen zusätzlich.
Die Handelswege bildeten deshalb kein festes Straßennetz im heutigen Sinn. Sie bestanden aus einer Vielzahl von Flüssen, Seen, Landübergängen und regionalen Verbindungen, deren Bedeutung sich im Laufe der Zeit verändern konnte.
An besonders günstigen Stellen entstanden Handels- und Handwerksplätze.
Zu ihnen gehörten Staraja Ladoga, Rjurikowo Gorodischtsche, Gnezdovo und Kiew.
Diese Orte verbanden lokale Wirtschaftsräume mit dem Fernhandel und wurden zugleich zu wichtigen Zentren politischer Macht.
Silber aus der islamischen Welt
Eine der auffälligsten archäologischen Spuren des östlichen Fernhandels sind islamische Silbermünzen, die sogenannten Dirhams.
Sie wurden in großer Zahl in Skandinavien, im Ostseeraum und in Osteuropa gefunden.
Viele dieser Münzen stammen aus den Herrschaftsgebieten islamischer Dynastien, darunter den Abbasiden und den Samaniden.
Besonders im 9. und 10. Jahrhundert gelangten erhebliche Mengen islamischen Silbers nach Norden.
Die Münzen wurden jedoch nicht überall wie heutiges Geld verwendet.
Häufig zählte vor allem ihr Metallwert.
Dirhams konnten zerschnitten, zerbrochen oder gemeinsam mit anderen Silbergegenständen nach Gewicht gehandelt werden.
Archäologen sprechen bei solchen Silberstücken von Hacksilber.
Dazu gehörten neben Münzfragmenten auch Teile von Schmuck, Barren und andere Silberobjekte.
Der Wert wurde mit Waagen und Gewichten bestimmt.
Entsprechende Funde aus Handelsplätzen und Gräbern zeigen, dass der gewichtsbasierte Silberhandel eine bedeutende Rolle spielte.
Die zahlreichen Dirhamfunde belegen weitreichende wirtschaftliche Verbindungen.
Sie verraten uns allerdings nicht unmittelbar, welche einzelnen Personen die Münzen transportierten oder auf welchem genauen Weg jedes Stück Silber nach Norden gelangte.
Die Wolga und die Märkte des Ostens
Die Wolga war eine der wichtigsten Verbindungen zwischen den nördlichen Waldgebieten und den südlichen Handelsräumen.
Über ihre Nebenflüsse und angrenzenden Wasserwege konnten Händler aus dem Ostseeraum weit nach Osten und Süden gelangen.
Eine besondere Rolle spielten die Wolgabulgaren.
Ihr Herrschaftsgebiet lag an einer wichtigen Schnittstelle zwischen den nördlichen Handelswegen und den islamisch geprägten Wirtschaftsregionen.
Hier trafen Händler aus unterschiedlichen Gebieten zusammen.
Die Rus konnten Waren anbieten, die in den südlichen Märkten begehrt waren, und im Gegenzug Silber sowie andere wertvolle Erzeugnisse erwerben.
Wie diese Begegnungen abliefen, erfahren wir unter anderem aus arabischen und persischen Berichten.
Besonders bekannt ist die Beschreibung des Reisenden Ibn Faḍlān, der im Jahr 921/922 als Mitglied einer Gesandtschaft zu den Wolgabulgaren reiste.
Er begegnete dort einer Gruppe von Rus-Händlern und hinterließ einen außergewöhnlich ausführlichen Bericht über ihre Erscheinung, bestimmte Verhaltensweisen und religiöse Praktiken.
Seine Beobachtungen werden wir im nächsten Kapitel genauer betrachten.
Der Dnepr und der Handel mit Byzanz
Während die Wolga den Zugang zu den östlichen Märkten ermöglichte, führte der Dnepr in Richtung des Byzantinischen Reiches.
Das wichtigste Ziel war Konstantinopel.
Die Stadt gehörte zu den größten und wohlhabendsten Zentren des mittelalterlichen Mittelmeerraums.
Hier konnten Händler Waren aus dem Norden gegen Erzeugnisse eintauschen, die in Osteuropa und Skandinavien begehrt waren.
Dazu gehörten hochwertige Textilien, Seide, Wein, Schmuck und andere Luxuswaren.
Der Handel unterlag allerdings politischen Regeln.
Die byzantinischen Herrscher versuchten, den Zugang ausländischer Händler zu kontrollieren und die Bedingungen des Warenverkehrs festzulegen.
Die in der Nestorchronik überlieferten Rus-byzantinischen Verträge des 10. Jahrhunderts enthalten deshalb zahlreiche Bestimmungen über den Aufenthalt von Kaufleuten, ihre Versorgung und den rechtlichen Umgang miteinander.
Solche Regelungen zeigen, dass die Beziehungen zwischen beiden Seiten bereits ein beachtliches Maß an Organisation erreicht hatten.
Handel war hier nicht nur eine private Angelegenheit einzelner Kaufleute.
Er war eng mit Diplomatie und politischer Macht verbunden.
Pelze – der Reichtum der Wälder
Eine der wichtigsten Warengruppen aus den nördlichen und osteuropäischen Gebieten waren Pelze.
Besonders wertvoll waren die Felle bestimmter kleiner Raubtiere, darunter Marder und Zobel.
Solche Pelze waren in wohlhabenden Gesellschaften begehrt, weil sie sich für kostbare Kleidung und als Zeichen gesellschaftlichen Ranges eigneten.
Die großen Waldgebiete Osteuropas boten Zugang zu diesen Ressourcen.
Allerdings wurden die Pelze nicht ausschließlich von Rus-Händlern selbst beschafft.
Lokale Gemeinschaften spielten bei der Jagd, Verarbeitung und Weitergabe eine entscheidende Rolle.
Pelze konnten als Handelswaren erworben oder als Tribut eingezogen werden.
Damit wird deutlich, wie eng der Fernhandel mit den politischen Abhängigkeitsverhältnissen innerhalb Osteuropas verbunden war.
Die Herrschaft über bestimmte Gebiete bedeutete häufig auch die Kontrolle über den Zugang zu begehrten Rohstoffen.
Wachs, Honig und weitere Handelswaren
Neben Pelzen waren auch Wachs und Honig wichtige Erzeugnisse der osteuropäischen Waldregionen.
Wachs wurde unter anderem für Kerzen verwendet und war besonders in religiösen und wohlhabenden gesellschaftlichen Zusammenhängen gefragt.
Honig diente als Nahrungsmittel und konnte zur Herstellung alkoholischer Getränke verwendet werden.
Beide Produkte waren vergleichsweise gut transportierbar und besaßen einen wirtschaftlichen Wert.
Hinzu kamen Bernstein, verschiedene handwerkliche Erzeugnisse und regionale Rohstoffe.
Die Bedeutung einzelner Waren veränderte sich je nach Zeitraum und Handelsgebiet.
Nicht jede Ware wurde über die gesamte Strecke von Skandinavien bis Konstantinopel transportiert.
Häufig wechselten Gegenstände mehrfach den Besitzer, bevor sie ihr endgültiges Ziel erreichten.
Ein Händler aus dem Ostseeraum musste also keineswegs persönlich bis zum Kaspischen Meer reisen, damit Waren aus dieser Region nach Norden gelangten.
Der Handel mit versklavten Menschen
Ein besonders schwieriger, aber unverzichtbarer Bestandteil der Geschichte ist der Handel mit versklavten Menschen.
Menschen gehörten zu den Waren, die über die Handelsnetze Osteuropas in andere Regionen gebracht wurden.
Arabische und byzantinische Quellen erwähnen den Handel mit Versklavten. Auch Ibn Faḍlāns Bericht zeigt, dass versklavte Menschen zum Umfeld bestimmter Rus-Händler gehörten.
Die Betroffenen konnten aus unterschiedlichen Regionen stammen.
Gefangenschaft durch Krieg, Überfälle, politische Abhängigkeit und andere Formen von Zwang konnten dazu führen, dass Menschen versklavt und verkauft wurden.
Frauen und Männer waren davon betroffen, ebenso Kinder.
Die Nachfrage nach versklavten Menschen bestand sowohl in Teilen der islamischen Welt als auch in anderen Wirtschaftsregionen.
Es wäre historisch falsch, diesen Handel auszublenden und die Reisen der Rus ausschließlich als friedlichen Austausch exotischer Waren darzustellen.
Gleichzeitig lässt sich nicht für jede Zeit und jeden Handelsweg genau bestimmen, welchen wirtschaftlichen Anteil der Menschenhandel hatte.
Die Quellen zeigen aber eindeutig, dass er ein Bestandteil der damaligen Handelswelt war.
Der Wohlstand mancher Handels- und Herrschaftsgruppen beruhte nicht nur auf freiwilligem Austausch, sondern auch auf Gewalt, Abhängigkeit und der Ausbeutung anderer Menschen.
Händler, Krieger und bewaffnete Gefolgschaften
Die weiten Handelsreisen waren mit erheblichen Risiken verbunden.
Wer wertvolle Waren und größere Mengen Silber transportierte, konnte zum Ziel von Überfällen werden.
Auch die Durchquerung politisch kontrollierter Gebiete war nicht immer problemlos möglich.
Lokale Herrscher konnten Abgaben verlangen, Durchfahrten einschränken oder den Zugang zu bestimmten Märkten kontrollieren.
Deshalb waren viele Fernhandelsunternehmungen eng mit bewaffneten Gruppen verbunden.
Ein Händler konnte selbst Waffen tragen oder Teil einer größeren Gefolgschaft sein.
Umgekehrt konnten Krieger an Handelsgeschäften beteiligt sein und aus den Erträgen wirtschaftliche Vorteile ziehen.
Die heute häufig vorgenommene Trennung zwischen friedlichen Kaufleuten und kriegerischen Wikingern passt daher nur begrenzt auf die damaligen Verhältnisse.
Das bedeutet nicht, dass jede Handelsreise ein Kriegszug war.
Es zeigt vielmehr, dass Handel und bewaffnete Macht in dieser Zeit häufig miteinander verflochten waren.
Wie wurden die Waren transportiert?
Die Flüsse Osteuropas stellten besondere Anforderungen an die verwendeten Wasserfahrzeuge.
Große seegängige Schiffe waren nicht für jeden Abschnitt der Flussverbindungen geeignet.
Vor allem auf flacheren Wasserläufen und an Landübergängen waren kleinere und leichter zu handhabende Boote von Vorteil.
Für die unterschiedlichen Abschnitte der Handelswege konnten verschiedene Wasserfahrzeuge eingesetzt werden.
Eine besonders wertvolle Quelle ist erneut das Werk De administrando imperio des byzantinischen Kaisers Konstantin VII.
Es beschreibt, wie die Rus im 10. Jahrhundert Boote für ihre Reisen nach Konstantinopel vorbereiteten.
Nach dieser Darstellung wurden bestimmte Bootskörper von slawischen Gemeinschaften hergestellt und zu Sammelplätzen gebracht, wo sie für die weitere Reise ausgerüstet wurden.
Die Quelle zeigt damit, dass die Rus bei ihren Handelsunternehmungen auf die Arbeit und das Wissen lokaler Bevölkerungsgruppen angewiesen waren.
An den Stromschnellen des Dnepr mussten die Reisenden besonders vorsichtig vorgehen.
Boote wurden teilweise entladen, Waren an Land gebracht und gefährliche Flussabschnitte umgangen.
Diese Arbeiten erforderten zahlreiche Menschen und konnten erhebliche Zeit beanspruchen.
Eine Fernhandelsreise war deshalb eine aufwendige gemeinschaftliche Unternehmung und keine einfache Fahrt von einem Markt zum nächsten.
Waagen, Gewichte und Silber
Zu den charakteristischen archäologischen Funden der Handelsplätze gehören kleine Waagen und Gewichte.
Sie waren notwendig, wenn Silber nach Gewicht bewertet wurde.
Besonders interessant sind zusammenklappbare Feinwaagen, die sich vergleichsweise leicht transportieren ließen.
Solche Gegenstände finden sich unter anderem in Fundzusammenhängen, die mit überregionalem Handel verbunden werden.
Auch in Gnezdovo wurden Handelsgewichte und andere entsprechende Ausrüstungsgegenstände entdeckt.
Für die historische Rekonstruktion sind diese Funde besonders aufschlussreich.
Sie zeigen, dass ein wohlhabender Händler nicht allein durch auffällige Kleidung oder kostbare Waffen erkennbar gewesen sein musste.
Eine Waage, passende Gewichte und Silberstücke konnten ebenso wichtige Bestandteile seiner persönlichen Ausrüstung sein.
Allerdings sollte eine solche Zusammenstellung möglichst an konkreten Funden aus einem bestimmten Ort und Zeitraum orientiert werden.
Nicht jede bekannte Waagenform oder jedes Gewichtssystem war überall gleichzeitig verbreitet.
Handelsplätze als Begegnungsräume
Der Fernhandel brachte Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammen.
An Orten wie Ladoga und Gnezdovo begegneten sich skandinavische, slawische, baltische und finno-ugrische Traditionen.
Hinzu kamen Kontakte zu den Steppengebieten, zum Byzantinischen Reich und zur islamischen Welt.
Diese Begegnungen hinterließen Spuren in der materiellen Kultur.
Schmuckformen wurden übernommen, Gegenstände nach fremden Vorbildern hergestellt und handwerkliche Techniken weitergegeben.
Ein Objekt konnte in einer Region gefertigt, in einer anderen verwendet und schließlich weit entfernt davon bestattet oder verloren worden sein.
Deshalb ist die Herkunft eines Gegenstandes nicht automatisch mit der Herkunft seines Besitzers gleichzusetzen.
Eine skandinavisch gestaltete Fibel in Osteuropa beweist nicht zwangsläufig, dass ihre Trägerin aus Skandinavien stammte.
Ebenso wenig macht eine islamische Münze ihren Besitzer zu einem Händler aus dem Kalifat.
Die archäologischen Funde zeigen vor allem die Reichweite kultureller und wirtschaftlicher Kontakte.
Handel und die Entstehung politischer Macht
Die Handelswege waren nicht nur für einzelne Kaufleute von Bedeutung.
Sie schufen auch die wirtschaftlichen Grundlagen größerer Herrschaftsgebiete.
Wer wichtige Flussübergänge, Handelsplätze oder Sammelstellen kontrollierte, konnte Abgaben erheben und den Warenverkehr beeinflussen.
Herrscher und ihre Gefolgschaften waren dadurch in der Lage, wirtschaftliche Ressourcen zu sammeln und ihre politische Stellung auszubauen.
Die im vorherigen Kapitel beschriebene Tributerhebung spielte dabei eine wesentliche Rolle.
Pelze, Wachs und andere Waren wurden aus abhängigen Gebieten eingezogen und konnten anschließend in den Fernhandel gelangen.
Der Handel brachte wiederum Silber und wertvolle Güter ein, mit denen Gefolgschaften entlohnt, Bündnisse gestärkt und gesellschaftlicher Rang demonstriert werden konnten.
Die Entstehung der Kiewer Rus lässt sich deshalb nicht unabhängig von ihren wirtschaftlichen Verbindungen betrachten.
Die Kontrolle von Handelswegen und die Kontrolle politischer Herrschaft entwickelten sich in vielen Bereichen gemeinsam.
Eine Welt im Wandel
Die Handelsnetze der Rus blieben nicht über Jahrhunderte unverändert.
Im 9. und 10. Jahrhundert spielte das Silber aus der islamischen Welt eine besonders bedeutende Rolle.
Später veränderten sich die Handelsströme und die Verfügbarkeit bestimmter Münzsorten.
Auch die politischen Verhältnisse wirkten sich auf die wirtschaftlichen Beziehungen aus.
Die zunehmende Bedeutung Kiews, die Veränderungen in den Steppengebieten und die engeren Beziehungen zum Byzantinischen Reich beeinflussten, welche Wege besonders wichtig waren.
Gleichzeitig entstanden innerhalb der Rus größere und dauerhaftere politische und wirtschaftliche Strukturen.
Der Fernhandel blieb bedeutend, war aber nur ein Teil einer Gesellschaft, die zunehmend von Landwirtschaft, regionalem Austausch, Handwerk und politischer Verwaltung getragen wurde.
Zwischen Ostsee und Orient
Die Welt der Rus war durch Bewegung geprägt.
Menschen reisten über Flüsse und Seen, überquerten Landstrecken und gelangten zu Märkten, deren Sprachen, Religionen und Lebensweisen sich stark von ihren eigenen unterschieden.
Silber aus Zentralasien konnte über die Wolga bis nach Skandinavien gelangen.
Pelze aus den osteuropäischen Wäldern fanden ihren Weg in wohlhabende Haushalte weit im Süden.
Byzantinische Erzeugnisse wurden in den nördlichen Handelsplätzen geschätzt.
Doch hinter diesen Waren standen nicht nur Kaufleute und ihre Geschäfte.
Es standen auch Handwerker, Bootsleute, lokale Gemeinschaften, bewaffnete Gefolgschaften und versklavte Menschen, deren Arbeit und Schicksal Teil dieses wirtschaftlichen Systems waren.
Der Handel zwischen den Welten war eine der wichtigsten Grundlagen für die Entstehung der Rus. Er brachte Wohlstand und kulturellen Austausch, aber ebenso Gewalt, Abhängigkeit und politische Machtkämpfe.
Wie diese Handelswelt aus der Perspektive eines zeitgenössischen Beobachters aussah, erfahren wir durch einen Mann, der den Rus persönlich begegnete.
Im Jahr 922 beschrieb der arabische Reisende Ibn Faḍlān eine Gruppe von Rus-Händlern an der Wolga.
Sein Bericht gehört zu den eindrucksvollsten schriftlichen Zeugnissen über das Leben, die Erscheinung und die religiösen Vorstellungen dieser Menschen.